Ein Fest mit Musik und Akrobatik (Main Echo)

Doppelkonzert: Die Musikkapelle Lengfurt und das Duo Mäx & Gogol gibt es seit 25 Jahren – Publikum begeistert

Mit zwei ganz un­ter­schied­li­chen mu­si­ka­li­schen En­sem­b­les ei­nen ge­mein­sa­men Auf­tritt zu be­st­rei­ten und die mit rund 400 Zu­hö­rern ge­füll­te Trenn­fel­der Trie­fen­stein-Hal­le mu­si­ka­lisch mit­zu­rei­ßen, ist ein mehr als wür­di­ges Ge­burts­tags­ge­schenk für die bei­den Ju­bi­la­re.

Die Musikkapelle Lengfurt (MKL) und das Musikakrobaten-Duo »Gogol & Mäx« aus Staufen im Breisgau feierten ihr jeweiliges Silber-Jubiläum am Freitag mit einem denkwürdigen Konzert.
Das Symphonische Blasorchester (SBO) unter der Leitung von Michael Geiger begann heiter temporeich mit dem »Einzug der Gladiatoren« und setzte mit dem »Vergnügungszug« von Johann Strauß auch dem Anlass angemessen die richtigen Zeichen. Denn der Abend sollte in der Tat ein durchweg gelungenes Vergnügen werden.
Stimmung und Waden gelockert

 Die nur scheinbar einfache Klezmer-Musik aus dem Louis-de-Funés-Film »Die Abenteuer des Rabbi Jakob« vermittelte flotte Stimmung. Diese wurde durch zwei lateinamerikanische Stückeweiter angeregt. Der Vorsitzende der Musikkapelle Lengfurt, Bruno Hock, führte launig durch den Abend. Die lateinamerikanische Musik hatte laut Hock den Zweck, »die Waden zu lockern und die Stimmung zu heben.« Dies gelang mit »Tico Tico« und Herb Alperts »Tijuana Taxi« bestens. »Happy birthday« verwandelte sich dank der Musikkapelle zu einem »International-Medley«, sechsfach verkleidet als Walzer, Calypso, Russisch, Dixieland, African Swing und mit konzertanter Festkonzert-Mächtigkeit. Danach erhöhte sich die Zahl der aktiven Musiker auf der Bühne bei der Filmmusik zum Gert-Fröbe-Film »Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten«: Zwei leicht hektisch-chaotisch wirkende Störenfriede namens Gogol und Mäx waren urplötzlich zwischen den Musikern erschienen. Sie trompeteten dazwischen, verwirrten den Solisten an der Lotusflöte mit ihren Faxen und schoben den Dirigenten, der dem Treiben nur kopfschüttelnd zuschauen konnte, in eine Bühnenecke.
Quertreiber entern die Bühne
Ihre Quertreiberei klang dann wie die Attacke einer Papageno-Flöte bei einer Vogelhochzeit im Dschungel. Bei Charlie Chaplins »Limelight« folgte das Symphonische Blasorchester kurzzeitig sogar den wirren Bewegungen von Mäx, der sich auf dem Dirigentenpodium herumdrückte, als wäre er der Kapellmeister.
Nach der Pause hatten die beiden die Bühne für sich alleine: Das Duo verwandelte sie in ein Musikzimmer, in dem Porträts von Mozart und Bach auf das anarchische Treiben der beiden herabsahen. Darin waren zudem diverse bisweilen wunderliche Instrumente platziert.
Alle Soli durchkreuzt
An einem strapaziert aussehenden Klavier nahm Gogol (Christoph Scheib) Platz. Er wähnte sich in der 1. Liga der Konzertpianisten und sagte fortlaufend ernste Klavierstücke, wie etwa »Chopin, Etude, maestroso, und solo« an. Doch Bühnenhelfer Mäx (Max-Albert Müller) durchkreuzte alle diese Solo-Vorträge. Er entlockte den eigenwilligsten Instrumenten immer wieder laut »La Cucaracha«, machte Bachs Fuge zur Almglocken-Parade, müht sich mit einem Alphorn oder führte den Geigenbogen über Metallophonplatten.
Als beide Musiker auf dem Klavier lagen, spielten sie auch schon mal vierhändig tastaturverkehrt das Piano. Ein Smoking wurde ebenso wie das zu intonierende Musikstück einfach zerfetzt und schwere Bass-Tuben benutzten die beiden Musikakrobaten als Kopfbedeckung, einen Elefanten-Gang imitierend. Mäx, laut Gogol der »dilettanto penetrante«, rief dabei ständig »Zugabe, Zugabe«.
Flamenco auf Rollbrettern
Das Publikum honorierte das Bühnengeschehen mit Begeisterung, ständigen Lachern, frechen Zwischenrufen und spontanem Applaus. Als bei einem der gewagten Akrobatik-Arrangements ein Stuhl durchbricht, wirkt das bei den beiden Profis, als sei es Absicht und seit Jahren Teil des gut einstündigen Vortrags.
Das Mundstück einer Tuba und eine leere Glasvase sind dann die Pfeiler für eine Gardinenstange, auf denen Gogol im rosa Tutu balanciert. Im Anschluss liefert ein Luftballon die Luft für ein Melodica-Solo, das Klavier steht um 45 Grad geneigt auf einer seiner kurzen Seitenkanten und wird trotzdem gekonnt bespielt. Auch der Flamenco auf dem Rollenbrett gerät dem Duo mitreißend.
Die Prognose, dass diese humoreske Droge süchtig macht, wurde in vielen Fällen bestätigt. Als Zugabe krönte ein Stück für zwei Glasharfen den einem doppelten Silberjubiläum würdigen Abend.
Raymond Roth

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