Von Rittern, Mäusen und einer Menge Spaß

Konzert - Bild2Nachdem das erste Kinderkonzert auf dem Lengfurter Marktplatz bereits ein Erfolg war, setzte sein „großer Bruder“ noch eins drauf. Im Burghof der Burg Wertheim gaben die beiden Kinderchöre „KiChoLé“ aus Lengfurt (Leitung: Judith Hock) und „Believe“ aus Röttbach (Leitung: Petra Röhrig), die Street-Dance Crew des SV Frankonia Lengfurt (Leitung: Dorothea Hock) und das Symphonische Blasorchester der Musikkappelle Lengfurt (Leitung: Matthias Höfert) noch mal alles.

Das Wetter hat offensichtlich vergessen, dass es bereits Anfang Juli ist, als sich die Chöre einsingen und das Orchester den Stimmton anklingt. Vom Kommen abgehalten hat das allerdings niemanden, der ganze Hof sitzt voller offener Ohren und gespannten Gesichtern. Während die Musiker auf der dort aufgebauten Bühne sitzen, stehen die Kinderchöre auf der Steinterrasse des ehemaligen Wachgangs um die Burgmauer. „Da kann man ja gleich ‚Romeo und Julia‘ spielen,“ scherzt Dirigent Matthias Höfert. Die Kulisse des rustikalen Burghofs gemixt mit den bunt gekleideten Kindern ist keinesfalls ein Gegensatz, eher eine Ergänzung zum stimmigen Gesamtbild: Das hier ist ein perfekter Familienausflug. Wo einst die Knappen kämpfen lernten, ertönt an diesem Sonntag die Melodie von Indiana Jones’ „Raider’s Boogey“. Heitere Fanfaren kündigen an, was sich durch den ganzen Nachmittag ziehen wird – fetzige Melodien, die jeder kennt, und die allen Spaß machen. Wie auch in Lengfurt sind die Zuhörer aus allen Altersstufen.

 

Dr. Bruno Hock, Vorsitzender der Musikkappelle Lengfurt und Moderator des Konzerts, begrüßt das Publikum in der ritterlichen Umgebung. Er erklärt, dass das nächste Stück seit 1972 die Titelmelodie einer Sendung ist, deren durchschnittlicher Zuschauer etwa 40 Jahre alt ist. Das ist offensichtlich die „Melodie der Sendung mit der Maus“. Nirgends werden Sachverhalte so einfach erklärt wie dort. Doch als das Orchester ansetzen möchte, geht ein Schreckensschrei durch die Kinderchöre: EINE MAUS IST LOS! Vom Balkon des Chores fällt sie nach unten, landet im Schlagzeug und wirft dort einige Sachen um, bis sie einmal durch das ganze Orchester und so manches Instrument flitzt. Auf ihrem Weg schreckt sie alle auf und erzeugt wilde, ulkige Töne, bis sie schließlich von der Tuba aus ins Publikum springt. Dort liegt die abenteuerliche Stoffmaus dann entspannt und hört zu, wie sie ihre Hymne gespielt wird. Das sorgt für Lacher – im Publikum und beim Orchestern.

 

Das nächste Stück ist eines der absoluten Highlights des Konzerts. Gemeinsam machen die Chöre und das Orchester Musik, zu der die Tanzgruppe tanzt. Dargeboten wird nichts Geringeres als der Klassiker „Another Brick in the Wall“ von Pink Floyd. Um ihrem Ärger über die totalitären Lehrer des vergangenen Jahrhunderts Ausdruck zu verleihen, wendet der Kinderchor „KiChoLé“ diesen den Rücken zu. Als die Chöre sich aus dem Schulsystem stampfen, tanzt sich die Street-Dance Crew aus den alten Konventionen heraus, und eine rebellische Gitarre durchbricht im furiosen Solo das Konstrukt impulsiv. Tosender Applaus brandet auf.

 

Das nächste Stück hat eine freundlichere Ausstrahlung. Wie Bruno Hock erklärt, handele es sich hier um Melodien aus seiner Kindheit und – so hoffe er – auch um solche der Kindheit der anwesenden Kinder. Dass dies zutrifft, merkt man keine zehn Takte später. Auch, wenn es nicht geplant ist, singen die Kinder der Chöre fröhlich mit. Auch die anwesenden Eltern träumen sich zurück in die Zeit, als „Holadiooooo“ die Geschichten von Heidi ankündigte, als Pippi Langstrumpf ihnen das falsche 1×1 beibrachte, als Pinocchio gewarnt wurde, er sei klein, aber die Welt sei groß, und als der freche rothaarige Pumuckl beschloss: „Es reimt sich, und was sich reimt, ist gut!“

 

Um zu zeigen, dass die Mischung aus Chor und Orchester nicht immer nur fröhlich ist, erklang als nächstes Stück eine traurige Melodie aus dem Film „Amistad“. In „Dry your tears Africa“ erinnern sich verschleppte Sklaven an die ferne Heimat Afrika. Mit diesen besonnenen Tönen werden die Zuhörer in die Pause geschickt.

 

Mit Pauken und Trompeten kündigt sich nach dieser Pause eine Geschichte an, die seit den 70er Jahren nichts weiter geschafft hat, als Generationen zu fesseln. Die Melodien der „Star Wars Saga“, gespielt vom Orchester, entreisen die Zuhörer der Burg-Kulisse und zeigen ihnen das Universum, das gepackt ist mit Grammatik-schwachen grünen Beratern, merkwürdigen Familienverhältnissen und einer Menge Spannung.

 

Es folgen Einzelauftritte der Chöre. Leise, besonnen, stimmt der Lengfurter Chor „Vois sur ton chemin“ an. „Schau auf deinen Weg“, appellieren sie damit. Die Kinder sollten in eine bessere Zukunft geführt werden.

Der Chor „Believe“ aus Röttbach setzt ganz andere Akzente. Nachdem Leiterin Petra Röhrig den Chor vorgestellt hat, zeigt sich dieser mit „Fight Song“ von Rachel Platten kriegerisch. Mit der passenden Choreographie kommt Bewegung in den Chor. So lockern sie das Publikum auf. Anschließend bitten sie darum, dass das Wetter länger hält, indem sie den Wettergott mit „Oh Happy Day“, einem energiegeladenen Gospel-Song, für den schönen Tag danken.

Bei diesem fröhlichen Ton bleibt es auch. Das nachfolgende Stück, an dem wieder Chöre, Orchester und Tänzer beteiligt sind, ist den meisten Kindern sehr bekannt und ein relativ junger Klassiker. „Ich lass’ los“ aus dem Film „Frozen – Die Eiskönigin“ reißt mit den ermutigen Zeilen alle mit, und will aussagen, dass mit Liebe auch destruktive zum Guten eingesetzt werden können, so Dr. Bruno Hock.

 

Der Abschied vom Programm hält nochmals bedachtere Töne bereit. Ein Text, der keiner Sprache der Welt entspricht, der keine Gesichte erzählt und der dem Fluss der Melodie angepasst ist, lädt zum Nachdenken ein. Die Melodie, die nach den Anschlägen auf die Twin-Towers in New York traurige Berühmtheit erlangte, die nachdenklich macht und die die Zuhörer besonnen aus dem Konzert herausgehen lässt: „Adiemus“ von Karl Jenkins. Diese Melodie rührt nicht nur Zuschauer, sondern auch der Himmel vergießt ein paar Tränen.

In schnellen Worten bedankt sich Bruno Hock bei allen Mitwirkenden und den Verantwortlichen der Burg. Dann bedankt sich der Dirigent Matthias Höfert ausführlich beim Publikum, dass trotz der medialen Präsenz im Alltag Zeit für diese Auszeit gefunden hat, um beim Vorstand Dr. Bruno Hock, der sich gerne um die Musikkappelle kümmert.

 

Weil das Wetter sich dann wieder beruhigt hat, spielt das Orchester mit den Chören noch einmal auf: „Another Brick in the Wall“ soll es sein, was noch einmal aufgeführt wird. Auch die Tänzer sind noch einmal am Start und tanzen. Dann spielt das Orchester noch einmal die Melodie „Hurra, Hurra, der Pumuckl ist da!“, und beendet so dieses Konzert mit fröhlichen Tönen. Der Nachmittag war ein Genuss für Jung und Alt, das merkt man an dem Applaus, der danach einsetzt.

 

Wir bedanken uns für Ihr Interesse und freuen uns auf Ihren Besuch bei unseren nächsten Auftritten!

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